Orgeln in Schweidnitz (Swidnica)
Die Altarorgel der Friedenskirche in Schweidnitz
| Erbauer: | unbekannt |
| Baujahr: | um 1695 |
| Register: | 15 / II+P |
| Tonumfang: | Manuale: C-c3 (kurze Oktave), Pedal: C-h (chromatisch) |
| Traktur: | mechanisch |
| Windladensystem: | Schleifladen |
| Technischer Zustand: | 1991 durch VEESO renoviert |
Disposition (Mai 1997):
| Manual I (OW) | Manual II (UW) | Pedal | Koppeln |
|---|---|---|---|
|
Gedackt 8' Principal 4' Flaute 4' Quinte 3' Octave 2' Mixtur 3 fach |
Flauta 8' Fugara 8' Principal 4' Flauta 4' Octava 2' Zimbel 2 fach |
Subbaß 16' Bordun 16' Principalbaß 8' |
Manual(schiebe)koppel |
Zur Geschichte:
Die Altarorgel wurde im Jahre 1695 vom Archidiakonus Sigismund Ebersbach geschenkt. Sie wurde auf der obersten Empore der Friedenskirche über dem Altar im Osten aufgestellt, besitzt zwei Manuale (Ober- und Unterwerk), sowie angehängtes Pedal, d. h. die tiefen Töne des Oberwerks sind auch mittels Pedaltasten spielbar. Für beide Manuale stehen jeweils sechs Register zur Verfügung, ferner drei für das Pedal.
Das Werk besteht aus zwei verschiedenen Teilbauten, die entweder bei der Aufstellung der Orgel oder einem nachträglichen Umbau zusammengefügt wurden. Das reich verzierte, im Barockstil bemalte Gehäuseoberteil enthält die Windlade für das Oberwerk und das Pedal. Das Untergehäuse aus unbemaltem Kiefernholz mit dem eingebauten Spieltisch beinhaltet - neben Spiel- und Registermechanik - auch die Windlade des Unterwerkes. Eine Besonderheit des Instrumentes stellen die in Handarbeit ornamental verzierten Pfeifen dar. Die Spielanlage befindet sich auf der linken Seite.
Das Instrument wurde im Jahr 1784 vom Orgelbauer Peter Zeitzius aus Frankenstein repariert. Im Laufe der 1991 im Auftrag des VEESO durchgeführten Wiederherstellung mußte lediglich das Oberwerk um einzelne Pfeifen ergänzt werden. Bis auf ein Register des Unterwerks handelt es sich bei den übrigen Pfeifen vermutlich noch um Originalbestände.
Die große Orgel der Friedenskirche in Schweidnitz
| Erbauer: | Schlag & Söhne |
| Baujahr: | 1909 |
| Register: | 62 / III+P |
| Tonumfang: | Manuale: C-g3, Pedal: C-f1 |
| Traktur: | pneumatisch |
| Windladensystem: | Kegelladen |
| Gehäuse: | Peter Zeitzius, 1784 |
| Technischer Zustand: | zur Zeit unspielbar |
Disposition (Mai 1997):
| Pedal | Manual I | Manual II | Manual III |
|---|---|---|---|
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1. Subbaß 16' 2. Bassflöte 8' 3. Dulciana 8' 4. Harmon. Bass 16' 5. Violoncello 8' 6. Violon 16' 7. Octavbass 8' 8. Quinte 10 2/3' 9. Octavbass 4' 10. Kornett 3-5fach' 11. Contrabass 16' 12. Untersatz 32' 13. Posaune 16' 14. Trompete 8' 15. Posaune 32' |
16. Gross-Gedeckt 8' 17. Gambe 8' 18. Hellflöte 8' 19. Rohrflöte 4' 20. Principal 8' 21. Bordun 16' 22. Octave 4' 23. Stentorphon 8' 24. Kornett 1-3fach 25. Rauschquinte 2 2/3' und 2' 26. Mixtur 4-6fach 27. Trompete 8' 28. Trompete 4' 29. Principal 16' |
30. Viola d'amour 8' 31. Gemshorn 8' 32. Doppelflöte 8' 33. Traversflöte 4' 34. Flûte harm. 8' 35. Violine 2' 36. Echo-Gambe 8' 37. Quintatön 16' 38. Geigen-Principal 8' 39. Fugara 4' 40. Rohrquinte 2 2/3' 41. Sifflöte 1' 42. Terzflöte 1 3/5' 43. Harm. aeth. 4fach 44. Orchester Oboe 8' 45. Tuba mirabilis 8' |
46. Fl. amabile 8' 47. Aeoline 8' 48. Vox coel. 8' 49. Portunal 8' 50. Dolce 4' 51. Salicional 8' 52. Viola 4' 53. Flöten Principal 8' 54. Hohlflöte 4' 55. Lieblich Gedeckt 16' 56. Gemshorn-Quinte 2 2/3' 57. Flageolet 2' 58. Cymbel 4fach 59. Vox humana 8' 60. Klarinette 8' Tremulant |
| Echo-Pedal | Koppeln | Feste Kombinationen | Spielhilfen/Sonstiges |
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61. Gedeckt 16' 62. Aeoline 8' |
63. I - Ped. 64. II - Ped. 65. III - Ped. 66. II - I 67. III - I 68. III - II 69. Super I 70. Super II - I Sub II - I Generalkoppel Kombinationskoppel |
Piano Mezzoforte Forte Fortissimo Tutti |
2 freie Kombinationen Piano-Pedal Rohrwerk-Absteller Jalousie-Schweller II, III Rollschweller Handregister ab Walze ab Walzenrücklauf Calcantenruf |
Die Register des Echopedals sind Transmissionen aus dem III. Manual. Die Bälge stehen im Untergehäuse: 1 großer zweifaltiger Hauptmagazinbalg mit 2 Keilschöpfbälgen mit Tretanlage, Winddruck 130 mmWS, sowie ein 1-faltiger Magazinbalg für Winddruck 204 mmWS. Der Elektromotor im Anbauraum hinter der Orgel besitzt einen weiteren mehrfaltigen Regulierbalg. An den Windladen sind Stoßbälge angebaut. Zwei dreifaltige Magazinbälge sind ausgebaut und gelagert.
Zur Geschichte:
Die erste Orgel der Friedenskirche wurde in den Jahren 1666 bis 1669 vom Brieger Orgelbauer Christoph Klose II. erbaut. Diese wurde jedoch später, nämlich von 1777 bis 1784, durch den Frankensteiner Orgelmacher Peter Zeitzius umgebaut, welcher auch den heute vorhandenen Prospekt gestaltete. Als Nachfolger des 1797 verstorbenen Zeitzius nahm Johann Lieser im Jahre 1802 einen sehr großen Eingriff am Werk vor: Die Anwendung des berühmten und ebenso berüchtigten »Simplifikationssystems« nach Abbé Vogler. Dies umfaßte unter anderem eine starke Dezimierung des Pfeifenbestandes, mit dem Ziel, daß jede Stimmlage und Klangfarbe, sofern für notwendig erachtet, nur jeweils einfach existierte, unabhängig von der Zahl der Manuale. Die Wechselwirkungen des bisherigen barocken, auf Kontraste angelegten Werkprinzips wichen einem von strenger Ökonomie geprägten Klangbild. Die Orgel besaß danach 45 Register auf drei Manualen und Pedal. 1880-1882 erfolgte ein Neubau im alten Gehäuse (54/III+P) durch Heinrich Schlag, Schweidnitz mit dem alten Gehäuse und nur neun alten Registern, sowie vermutlich mit Barkerhebeln. 1909 wurde das Interieur durch die Schweidnitzer Orgelbaufirma Schlag & Söhne erneut umgebaut. Die Orgel erhielt eine pneumatische Traktur und Kegelladen. Seitdem wurden nur im II. Manual Flageolet 2' durch Sifflöte 1' (der Registerzug blieb unverändert) ersetzt und Violine 4' zu 2' verändert.
Besonders bemerkenswert und orgelhistorisch bedeutsam sind vor allem die hochromantischen Zungenregister von 1882: im I. Manual Trompete 8' ganz, Trompete 4' C-g1 (aus der alten Trompete 16') und im Pedal Posaune 32' und Trompete 8'. Diese sind alle durchschlagend (!) mit überlangen Holzstiefeln und weiten, aber kurzen Bechern aus Holz (bei den tiefen Pfeifen) bzw. Messing. Ebenso ungewöhnlich ist Untersatz 32', der durchgehend ab C offen gebaut ist (aus Holz).
Heute besitzt das Instrument drei Manuale und Pedal und verbirgt hinter dem barocken Prospekt ein Werk, das sich durch und durch an romantischen Idealen orientiert. Der Prospekt ist dennoch - abgesehen von den beiden Rundtürmen - für den Barockstil ziemlich flach gehalten. Die Gesimslinien und Verdachungen schwingen sich in verhaltener Bewegung, das Flammenornament ist maßvoll verteilt. Auch Figurenschmuck fehlt nicht. Doch liegt über der ganzen, in ihrer Größe und vornehmen Durchführung voll zu würdigenden Orgelfront eine ausgesprochene Zurückhaltung gegenüber der leidenschaftlichen Gebärdung der Barockzeit.